Herzensbilder: Familienfotos, die für immer bleiben

Kurz nach der Diagnose unserer Töchter meldete sich eine befreundete Fotografin bei uns. Sie arbeitete ehrenamtlich für Herzensbilder.ch und fragte, ob sie Bilder von unserer Familie machen dürfe.

Damals ahnten wir noch nicht, wie wertvoll diese Fotografien einmal für uns sein würden.

Familienfotos hatten wir kaum

Natürlich hatten wir viele Bilder unserer Mädchen. Schnappschüsse aus dem Alltag, Fotos von Ausflügen und einzelne Aufnahmen mit Mama oder Papa. Doch Bilder, auf denen wir alle gemeinsam zu sehen waren, gab es kaum.

Das kennen vermutlich viele Familien: Meist steht eine Person hinter der Kamera. Im Pflegealltag kommt hinzu, dass für geplante Familienfotos oft die Zeit und die Kraft fehlen. Der Alltag ist geprägt von Terminen, Therapien, Hilfsmitteln und unvorhersehbaren Situationen. Ein professionelles Fotoshooting erscheint in solchen Zeiten nicht besonders wichtig.

Nach der Diagnose von Melina und Juliana beschäftigten uns ganz andere Fragen. Wie würde es weitergehen? Welche Fähigkeiten würden unsere Töchter verlieren? Welche Therapien waren möglich? Und wie sollten wir als Familie mit all dem umgehen?

Gerade deshalb war es so wertvoll, dass unsere Freundin selbst auf uns zukam.

Ein besonderer Moment als Familie

Bei den Aufnahmen ging es nicht um Krankheit, Diagnosen oder Pflege. Für einen Moment standen wir einfach als Familie im Mittelpunkt.

Wir mussten keine perfekten Kleider tragen und niemand musste für die Kamera etwas vorspielen. Es entstanden Bilder von uns, wie wir damals waren: gemeinsam, verbunden und mitten in einer unglaublich schwierigen Zeit.

Solche Fotografien halten nicht nur fest, wie ein Mensch ausgesehen hat. Sie bewahren Blicke, Berührungen und Beziehungen. Ein Lächeln, eine Umarmung oder die Art, wie ein Kind von seinen Eltern gehalten wurde, kann auf einem Bild sichtbar bleiben.

Heute wissen wir, wie wichtig das ist.

Was ist Herzensbilder.ch?

Herzensbilder ist ein gemeinnütziger Schweizer Verein, der betroffenen Familien professionelle Fotografien schenkt. Das Angebot richtet sich unter anderem an Familien mit einem schwer kranken oder verletzten Kind sowie an Familien, in denen ein Elternteil schwer erkrankt ist. Auch nach einer stillen oder viel zu frühen Geburt können Herzensbilder entstehen.

Erfahrene Fotografinnen und Fotografen begleiten die Familien einfühlsam und richten sich nach der jeweiligen Situation. Die Aufnahmen können beispielsweise zu Hause, im Spital oder draussen stattfinden. Für die betroffenen Familien ist der Einsatz kostenlos.

Warum solche Bilder später so bedeutend werden

Als unsere Bilder entstanden, hofften wir vor allem, dass wir noch viel gemeinsame Zeit vor uns haben würden. Wir wollten nicht ständig daran denken, dass Melinas Krankheit fortschreiten und unser Familienleben immer stärker verändern würde.

Nach Melinas Tod haben diese Bilder nochmals eine andere Bedeutung erhalten.

Sie erinnern uns an eine Zeit, in der wir noch vollständig zusammen waren. Sie zeigen nicht nur Melina, sondern uns alle als Familie. Auch Juliana kann auf den Bildern sehen, wie sie gemeinsam mit ihrer Schwester aufgewachsen ist und wie selbstverständlich Melina zu unserem Leben gehörte. Der Bruder, welcher zur Zeit des Fotoshootings noch nicht auf der Welt war, sieht, wie Melina ausgesehen hat, bevor sie alle Fähigkeiten verloren hat.

Erinnerungsbilder nehmen die Trauer nicht weg. Sie können die Sehnsucht sogar verstärken. Trotzdem sind wir sehr dankbar, dass wir sie besitzen. Sie geben uns etwas Sichtbares, das bleibt.

Fotos müssen nicht perfekt sein

Im Alltag mit einem schwer kranken oder pflegebedürftigen Kind wartet man leicht auf einen besseren Zeitpunkt: wenn das Kind wieder stabiler ist, wenn die Eltern ausgeschlafener aussehen oder wenn das Leben etwas ruhiger geworden ist.

Doch dieser perfekte Zeitpunkt kommt vielleicht nicht.

Auch Sauerstoffschläuche, Sonden, Rollstühle und andere Hilfsmittel gehören zum Leben eines Kindes. Sie müssen auf Erinnerungsbildern nicht versteckt werden. Entscheidend ist nicht, dass alles makellos aussieht. Entscheidend ist, dass die Verbundenheit der Familie sichtbar wird.

Wir würden Familien deshalb ermutigen, gemeinsame Bilder nicht immer wieder aufzuschieben. Das können professionelle Fotografien sein, aber auch einfache Aufnahmen mit Selbstauslöser oder Fotos, bei denen eine vertraute Person hinter der Kamera steht.

Wichtig ist vor allem, dass alle einmal mit auf dem Bild sind.

Unser Dank an Herzensbilder

Wir sind unserer Freundin bis heute dankbar, dass sie sich kurz nach der Diagnose bei uns gemeldet hat. Wahrscheinlich hätten wir selbst nicht nach einem solchen Angebot gesucht. In dieser überwältigenden Zeit hätten wir gar nicht erkannt, wie wichtig diese Fotos später für uns sein würden.

Herzensbilder schenkt Familien weit mehr als schöne Fotografien. Die Bilder bewahren einen Teil ihrer gemeinsamen Geschichte. Sie zeigen Liebe, Nähe und Zusammengehörigkeit – auch dann, wenn ein geliebter Mensch nicht mehr da ist.

Ein grosses Dankeschön auch an alle Fotograf:innen und Sylist:innen, die sich ehrenamtlich für Herzensbilder engagieren!

Unsere Bilder können Melina nicht zurückbringen. Aber sie helfen uns, uns an sie, an unsere gemeinsame Zeit und an uns als vollständige Familie zu erinnern.

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