Toilette für alle – ein grosses Stück Freiheit für Familien mit pflegebedürftigen Angehörigen

Auf Ausflügen hatten wir immer wieder dasselbe Problem: Unsere pflegebedürftige Tochter Melina brauchte unterwegs regelmässig eine Möglichkeit zum Wickeln und zur Körperpflege. Doch geeignete Einrichtungen zu finden, war oft nahezu unmöglich.
Auf einem normalen Wickeltisch hatte sie längst keinen Platz mehr. Zudem war sie dafür viel zu schwer. Häufig blieb uns nichts anderes übrig, als das Auto zu nutzen. Manchmal musste sogar der Boden einer öffentlichen Toilette genügen – keine würdige Lösung und immer verbunden mit einem unguten Gefühl.
Umso grösser war unsere Überraschung, als wir auf dem Schauinsland bei Freiburg einen grosszügigen Wickel- und Pflegeraum entdeckten. Dort gab es eine stabile Pflegeliege und alles, was Menschen wie Melina für die Körperpflege unterwegs benötigen.

Durch ein Schild in der Toilette wurden wir auf das Projekt «Toilette für alle» aufmerksam. Was für eine wunderbare Idee!
Was ist eine «Toilette für alle»?
Die Initiative setzt sich dafür ein, dass Menschen mit schweren und mehrfachen Behinderungen auch ausserhalb ihres Zuhauses Zugang zu geeigneten Sanitäranlagen haben. Denn ein herkömmliches Behinderten-WC reicht oft nicht aus.
Eine «Toilette für alle» verfügt in der Regel über:
- eine höhenverstellbare Pflegeliege
- ausreichend Platz für Begleitpersonen
- einen Patientenlifter für den sicheren Transfer
- eine hygienische Umgebung für Pflege und Wickeln
Damit wird Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf die Teilnahme am öffentlichen Leben wesentlich erleichtert.
Der Schwarzwald als Vorbild
In den vergangenen Jahren waren wir oft im Schwarzwald unterwegs. Dabei stellten wir fest, dass solche Toiletten dort erfreulich weit verbreitet sind. Für Familien wie unsere bedeutet das ein grosses Stück Freiheit. Ausflüge können entspannter geplant werden, spontane Unternehmungen werden möglich und die ständige Sorge um geeignete Pflegemöglichkeiten rückt in den Hintergrund.
Was für viele selbstverständlich ist, wird für Familien mit pflegebedürftigen Angehörigen oft zur Herausforderung. Dabei geht es um ein grundlegendes Bedürfnis: Würde, Hygiene und die Möglichkeit, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
Nachahmung ausdrücklich erwünscht
Leider sind solche Einrichtungen vielerorts noch selten. Dabei profitieren nicht nur Menschen mit Behinderungen davon, sondern auch ihre Familien, Begleitpersonen und Betreuungspersonen.
Unser Wunsch ist deshalb klar: Mögen sich noch viele Städte, Gemeinden, Ausflugsziele, Museen, Einkaufszentren und Freizeiteinrichtungen dieses Beispiel zum Vorbild nehmen. Denn echte Inklusion zeigt sich nicht nur in grossen Worten, sondern vor allem in praktischen Lösungen, die den Alltag erleichtern.
Manchmal beginnt Teilhabe ganz einfach bei einer Toilette.
Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier:



